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Mieterbund Nürnberg und Umgebung e.V.

Aktuelles zum Mietrecht

|   Themen Nürnberg

Gewinnmaximierung durch Verdrängung

Wohnungsmarkt in Nürnberg

„Ein so offenkundig dreistes Vorgehen beobachten selbst wir als Mieterbund selten“, mit diesen Worten kommentiert Gunther Geiler, Jurist und Geschäftsführer des DMB Nürnberg und Umgebung das Vorhaben eines Investors, mit einem bestehenden Mietobjekt eine Maximalrendite zu erwirtschaften. „Dennoch steht es exemplarisch für das, was sich vielfach, wenngleich weniger offenkundig und weniger beobachtet derzeit am Nürnberger Wohnungsmarkt vollzieht.“

Acht Wohnungen beherbergt das Gründerzeithaus in der Nürnberger Südstadt bisher, zuzüglich eines auszubauenden Dachbodens. Nun soll es umgebaut werden - wenn es nach dem Willen der Erwerber ginge. Die Tinte unter dem Kaufvertrag war kaum trocken, da ließen sie bereits die Kündigung aussprechen. „Bei der Fortsetzung des mit Ihnen bestehenden Mietverhältnisses würden [...] nicht unerhebliche wirtschaftliche Nachteile entstehen.“, so wurde die Kündigung begründet. Wie das Objekt rentabler zu bewirtschaften ist, stellten die Vermieter auch gleich dar. Dies sollte: „durch bauliche Umbaumaßnahmen in WG-Zimmer erfolgen, [...] um es einer deutlich besseren und angemesseneren wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen“.

Leider sei man gezwungen, die teilweise seit den 1970er Jahren bestehenden Mietverhältnisse deswegen zu beenden. Andere Mietverhältnisse bestehen immerhin auch schon seit vielen Jahren.

Wer das Objekt betritt, reibt sich jedoch die Augen: Man findet ein solides Mietshaus in gepflegtem, saniertem Zugang, mit gestrichener Fassade und modernen Wohnungen. Von den acht Wohnungen – vier davon stehen leer und könnten sofort vermietet werden - sind sieben saniert. Das bedeutet: Böden, Elektrik, Wasserzuleitungen, Türen, Fenster – alles neu, schildert einer der Mieter, der sein Badezimmer mit freistehender Wanne und Regendusche präsentiert.

„Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht den Kündigungsgrund ‚Hinderung an wirtschaftlicher Verwertung‘ durchaus vor“, erläutert Geiler. „Aber das bedeutet nicht, dass jegliche Absicht von Gewinnmaximierung vom Gesetz geschützt wird.“

Den Mieter:innen des Objekts wird der DMB Nürnberg empfehlen, sich gegen die Kündigung zur Wehr zu setzen. Ebenso allen Mieterinnen und Mietern in Nürnberg, die ähnliche, oder etwas weniger dreiste Kündigungen erhalten oder bereits erhalten haben. Nicht überall vollzieht sich die Entmietung vor dem Hintergrund einer beabsichtigten Steigerung der Einnahmen so deutlich. „Manchmal werden günstig vermietete Objekte auch über Jahre hinweg so vernachlässigt, dass Mieter freiwillig aufgeben und das Feld räumen. Leerstehend kann dann in Ruhe modernisiert und teuer weitervermietet werden“, so Geiler.

„Immerhin ist der Investor ehrlich, wenn der Anwalt der Vermieterseite unumwunden zugibt: ‚Im Gegensatz zu den jetzt erzielten Mieteinkünften für die vorhandenen Wohnungen wird unser Mandant durch den Umbau/ die Sanierung deutlich höhere Mieteinnahmen für die gleichen Räumlichkeiten erzielen können.‘“ 

Eine Ehrlichkeit, die fast erschreckt.

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