Kritische Wohnkostenbelastung – bezahlbare Wohnungen dürfen nicht weiter verloren gehen
Immowelt-Studie bestätigt die Entwicklung auf dem Nürnberger Wohnungsmarkt und zeigt die Dramatik in Nürnberg und der Metropolregion.
DMB Nürnberg fordert Fokus auf Erhalt von günstigen Wohnungen und öffentlichen Wohnungsbau.
Die Wohnkosten werden für immer mehr Familien zur finanziellen Belastung – auch in Nürnberg. Nicht allein die Miethöhe entscheidet darüber, ob Wohnen bezahlbar bleibt, sondern das Verhältnis von Einkommen und Wohnkosten. Genau dieses Verhältnis gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Eine aktuelle Studie des Immobilienportals immowelt dokumentiert den Druck, der auf den Mietenden lastet: Auf Platz 90 von 107 landet Nürnberg, Fürth auf Platz 98.
„Die Studie bestätigt unsere tägliche Beratungspraxis“, erklärt der Deutsche Mieterbund Nürnberg. „Immer mehr Menschen berichten uns, dass sie zwar arbeiten, sich eine angemessene Wohnung aber trotzdem kaum noch leisten können. Die Mieten insbesondere bei der Neuvermietung steigen vielerorts schneller als die Einkommen. Genau darin liegt das eigentliche Problem“, sagt Gunther Geiler, Geschäftsführer des DMB Nürnberg
Für den DMB Nürnberg greift es deshalb zu kurz, den Wohnungsneubau als alleinige Lösung zu betrachten. „Natürlich brauchen wir mehr Wohnungen. Aber wir dürfen gleichzeitig nicht zulassen, dass jeden Tag bezahlbarer Wohnraum verschwindet. Die Wohnkostenkrise wird nicht allein auf dem Baukran entschieden – sie entscheidet sich ebenso im Wohnungsbestand“, so Geiler.
Bezahlbare Wohnungen gehen durch auslaufende Sozialbindungen, Zweckentfremdung, spekulativen Leerstand und renditeorientierten Wohnungshandel verloren. Jede dieser Wohnungen fehlt anschließend dauerhaft auf dem Mietmarkt.
„Die günstigste Wohnung ist die, die gar nicht erst verloren geht“, Gunther Geiler.
Deshalb fordert der DMB Nürnberg, den Schutz des vorhandenen Wohnungsbestands endlich als gleichrangige Säule der Wohnungspolitik zu begreifen. Neben dem Neubau dauerhaft bezahlbarer Wohnungen braucht es insbesondere
- einen konsequenten Vollzug der Zweckentfremdungsverbotssatzung,
- ein entschlossenes Vorgehen gegen spekulativen Leerstand,
- wirksame Instrumente gegen preistreibenden Wohnungshandel und missbräuchliche Umwandlungen,
- eine Stärkung kommunaler und gemeinwohlorientierter Wohnungsunternehmen sowie
- eine wirksame Ahnung überhöhter Mieten.
Dass der Schutz bestehender Wohnungen wirkt, zeigt Nürnberg bereits heute. Durch den konsequenten Vollzug der Zweckentfremdungsverbotssatzung konnten in den vergangenen Jahren rund 500 Wohnungen wieder dem regulären Mietmarkt zugeführt werden. Jede zurückgewonnene Wohnung entlastet den Wohnungsmarkt sofort – ganz ohne neue Flächen zu versiegeln oder jahrelange Bauzeiten abzuwarten.
Zudem muss es der Stadt gelingen, den preistreibenden Handel mit bestehenden Mietwohnungen einzudämmen, dessen Preis im Ergebnis die Mieter und Mieterinnen zahlen. Umwandlungen von Mietshäusern in teure Eigentumswohnungen müssen unter den Vorbehalt einer kommunalen Erlaubnis gestellt werden.
Wer bezahlbares Wohnen sichern will, muss deshalb zweigleisig fahren: „Wir brauchen neue Wohnungen – aber wir müssen vor allem die bezahlbaren Wohnungen schützen, die wir bereits haben. Der Erhalt des Wohnungsbestands ist die schnellste und nachhaltigste Form der Wohnraumpolitik“, so Geiler.
Im Neubau muss stärker auf die öffentliche Hand gesetzt werden. „Nur durch den Einfluss auf öffentliche Wohnungsgesellschaften kann sichergestellt werden, dass nicht die rentabelsten Wohnungen entstehen, sondern die, die die Bürgerinnen und Bürger wirklich brauchen“, so Geiler.
Die immowelt-Studie macht deutlich, dass sich die Schere zwischen Einkommen und Wohnkosten immer weiter öffnet. Für den Deutschen Mieterbund Nürnberg ist das ein klarer Auftrag an Bund, Freistaat und Kommunen: Bezahlbares Wohnen entsteht nicht allein durch Neubau. Es entsteht auch dadurch, dass vorhandene Wohnungen dauerhaft bezahlbar bleiben und dem Mietmarkt erhalten werden.